AWO-Blog

Interview mit Maximilian Brugger

Mein Name ist Maximilian Brugger, ich bin 25 Jahre alt und stolze 185 cm groß. Man findet mich im beschützenden Wohnbereich „WB1/2“ im Wohnpflegeheim in Wengen.

Wie lange arbeitest du schon in unserer Einrichtung? Wie alt warst du als du angefangen hast?

Ich habe im September 2013 (mit 16 Jahren) mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Einrichtung begonnen. Damals gab es noch die Arbeitstherapie-Gruppen im „Therapiehaus“ mit Jürgen als Leitung. Dort sammelte ich meine ersten Erfahrungen und Eindrücke. – Dieses Jahr war so abwechslungsreich, dass ich mich für eine Ausbildung im sozialen Bereich entschieden habe. Jeder Tag war anders und die Bewohner und wir Mitarbeiter hatten gemeinsam viel Spaß. Da meine Mutter Nicole bereits seit vielen Jahren in der Einrichtung in Wengen arbeitet, kannte ich die Einrichtung. Da ich mir über meine berufliche Zukunft noch nicht sicher war (evtl. Ausbildung zum Fachinformatiker), machte sie mir den Vorschlag ein Freiwilliges Soziales Jahr im AWO Wohnpflegeheim Wengen zu absolvieren.

Wie ist dein beruflicher Werdegang hier bei uns? 

Ich habe von 2013-2015, 1,5 Jahre lang ein FSJ absolviert. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit Menschen, die Gespräche, die verschiedenen Krankheitsbilder und die damit verbundenen Aufgaben zusagen und gefallen. Daher entschied ich mich für die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Um überhaupt eine Ausbildung anfangen zu können, musste ich noch ein ½ Jahr Praktikum anhängen um im September 2015 die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger beginnen zu dürfen. 2018 schloss ich erfolgreich und stolz meine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger ab. Unsere Einrichtungsleitung Fr. Orterer machte mir dann den Vorschlag, die Ausbildung zum Altenpfleger zu machen, wo ich im dritten Ausbildungsjahr einsteigen könnte. Ich überlegte kurz und fand die Idee richtig super.
Ich fackelte nicht lang und fing 2018 die Ausbildung an. Das eine Jahr war mit viel Lernstoff gefüllt und es hat sich definitiv gelohnt. Ich schloss 2019 erfolgreich meine Ausbildung zum Altenpfleger ab. Es ist voll mein Ding!

Was macht dir an deinem Job Spaß und Freude?

Bezogen auf die Corona Pandemie: Es ist zwar eine schwierige und anstrengende Situation in der wir uns befinden, trotzdem freue ich mich arbeiten gehen zu dürfen in dieser Zeit. Da ich viele technische Fähigkeiten besitze, macht es mir Spaß, diese in die Arbeit zu integrieren. Bei Fragen von Klienten oder Mitarbeitern kann ich oft helfen bzgl. Computer oder Sonstigem. Ich habe Spaß und Freude im Umgang mit Menschen, z.B. wenn ich bei Problemen oder Krisensituationen helfen und zur Seite stehen kann. Eine große Freude bereitet es mir, wenn unsere Klienten ihre Dankbarkeit durch kleine Gesten oder einem Lächeln zum Ausdruck bringen, da weiß man: „Ich arbeite im richtigen Beruf!“

Hast du Hobbys? Was machst du in deiner Freizeit?

In meiner Freizeit mache ich gerne selbst elektronische Musik und nehme diese auf oder bastle an elektronischen Schaltungen. Auch bin ich gerne mit meiner Familie oder meiner Freundin zusammen, wir gehen spazieren und genießen die frische Luft und die Ruhe, gerade als Ausgleich zu dieser doch besonders anstrengenden Zeit.

Du bist bei der AWO Works Kampagne überall zu sehen (Autos, Flyer, Internet), fühlt man sich da wie ein Prominenter?

Das Fotoshooting dafür hat Spaß gemacht. Anfangs war es schon ein komisches Gefühl sich im Internet oder auf Autos „riesengroß“ zu sehen. Aber prominent fühle ich mich nicht. Eher als Repräsentant meiner Einrichtung.

Was denkst du, sollten wir bzgl der“ Nachwuchsgewinnung“ tun?

Eine sehr schwierige Frage, da die aktuelle Corona-Situation alles andere wie fördernd ist für den Bereich der Pflege. Ein großer Anreiz wäre es vielleicht, die Arbeit besser zu bezahlen und positive Werbung zu machen z.B. im Internet oder auch in den Medien.

Hat Corona die Arbeit verändert? Hast du deswegen darüber nachgedacht den Pflegebereich zu verlassen?

Corona hat die Arbeit sehr verändert, jede neue Vorschrift war eine Herausforderung für die Umsetzung innerhalb der Einrichtung bzw. auf der Station. Man musste umdenken, neue Hygienevorschriften einhalten, was anfangs ziemlich schwer war. Nach einer Zeit gewöhnt man sich an den „neuen“ Alltag. Auch das tägliche Tragen der Maske erschwert die Kommunikation mit den Klienten, sie können die Gesichter der Mitarbeiter nur teilweise sehen und nehmen Mimik und Gestik nur bedingt wahr. Ein Lächeln fehlt. So können sie manche Gespräche nicht mehr richtig einschätzen. Mittlerweile können wir aber alle mit den Augen lächeln. Die Trennung der Wohnbereiche war und ist für einige Klienten richtig schlimm, sie können sich nicht „frei“ im Haus bewegen oder mal jemanden besuchen. Auch Besuch von Angehörigen in der Einrichtung oder Besuche bei Angehörigen sind mit viel Aufwand verbunden, sodass viele Kontakte auf ein Minimum reduziert worden sind. Das frustet viele unserer Klienten. Trotz des ganzen „Wahnsinns“ hatte ich nie den Gedanken, die Einrichtung zu verlassen! Mir gefällt mein Job und ich hoffe, dass es irgendwann wieder einen normalen Alltag geben wird, für Klienten und Mitarbeiter!

Was wünschst du dir für die Zukunft? Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Für meine Zukunft wünsche ich mir Gesundheit und eine eigene Familie. Ich hoffe, dass es irgendwann wieder eine Normalität geben wird und die Menschen versuchen aufeinander zu zugehen. Für die Einrichtung wünsche ich mir, dass es Nachschub an jungen Menschen gibt, die Spaß und Freude daran haben diesen Beruf zu erlernen und frischen Wind bringen, gerne auch Männer. Der Beruf soll einen besseren Stand in der Gesellschaft haben!